
Genlisea - Reusenfalle


Geschichtliches
Die Pflanze
Die Falle
Kultur
Vermehrung
Krankheiten und Schädlinge
Kurzzusammenfassung
Der Begriff Reusenfalle wird sowohl für die Fangmethode als auch für die Gattung verwendet. So kann man sagen, dass die Reusenfalle als Gattung (Genlisea) als einzige die Reusenfalle als Fangmethode benutzt. Oberirdisch sieht Genlisea genau so unscheinbar aus wie terrestrische Utricualrien. Ihre natürlichen Vorkommen beschränken sich auf die Tropen Afrikas, Madagaskars und Südamerikas, Mexiko und Kuba. Bisher gibt es 21 Arten. Die Gattung Genlisea wird botanisch in zwei Untergattungen eingeteilt: Die Untergattung Tayloria (hier reißen die Samenkapseln der Länge nach auf, nur in Amerika) und die Untergattung Genlisea (die Samenkapseln reißen horizontal auf).
Geschichtliches:
1833: Genlisea wird zum ersten mal vom französischen Botaniker Auguste Francois César Prouvencal de Saint Hilaire (1779 - 1853) beschrieben und von ihm nach der frz. Schriftstellerin Stéphanie-Félicité du Crest de Saint-Aubin de Genlis (1746 - 1830) benannt.
Die Pflanze:
Zwar scheinen die unscheinbaren Blätter auf den ersten Blick auch zu einem Wasserschlauch gehören zu können, aber ein wesentlicher Unterschied liegt unteriridisch beim für die Gattung Genlisea einzigartigen Fangmechanismus. Die Reusenfalle hat keine Wurzeln, ursprüngliche Blätter wurden zu unterirdischen Fangorganen umgewandelt, die den Pflanzen auch zum Halt in der Erde dienen. Die überiridschen Blätter dienen der Photosynthese.
Da es sich um tropische Pflanzen handelt, blühen ausgewachsene Pflanzen regelmäßig und ohne Rhythmus. Die Blütenfarben sind lila oder gelb.
Die Falle
Diese umgewandelten Blätter erinneren an eine weiße Pflahlwurzel, die sich immer wieder Y – förmig gabelt und sie haben eine gedrehte, korkenzierhartige Struktur mit Verdickungen und mikroskopisch kleinen Eingängen.
In diese kleine Zwischenräumen ist es Kleinstlebewesen möglich einzudringen. Mit nach innen stehenden Härchen wird das Hereinkopmmen erleichtert, doch ein Herauskrabbeln wird so unmöglich, da sich die Haare der Beute entgegenstellen. So kann das gefangene Tier nur in eine Richtung gehen und läuft immer weiter nach oben ins Innere der Pflanze, bis sie zu einer der Gabelungen und somit zu einer Verdickung kommt. Dieser Hohlraum ist Magen mit der Verdauungsflüssigekeit.
Es ist noch nicht gänzlich erforscht, wie die Fangorgane funktionieren. Es wird vermutet, dass die Beute nicht wie bei Utricularia angesaugt wird, sondern, von Stoffausscheidungen angelockt, „freiwillig“ hineinkrabbelt. Auch unklar ist, wie ein Herausschwemmen der gelösten Nährstoffe verhindert wird, denn für sie stellen die Härchen zum Halten der Lebewesen kein Hindernis da. Möglich wäre, dass die Pflanze ähnlich den Utricularien einen Unterdruck erzeugt, welcher die Nährstoffe im Inneren der Pflanze hält.
Leider sind sowohl die Beutetiere, vermutlich bestehend aus Kleinstlebewesen im Substrat, Wasserflöhen, Springschwänzen, Insektenlarven, als auch die Falle und der Fangmechanismus so klein, dass das menschliche Auge auch dann nichts erkennen könnte, wenn sich nicht alles unterirdisch abspielen würde.
Die Kultur
Leider stellen auch die Genliseen, vermutlich auf Grund ihres unterirdischen Fangens, in den Sammlungen nur einen kleinen Teil dar. Zusätzlich gibt es nur wenige Arten, die in Kultur sind. Dabei ist ihre Haltung gar nicht so schwer.
Das Substrat sollte locker sein, damit die Fangorgane problemlos durch die Erde wachsen können. Geeignet ist Torf mit etwas Sand oder Perlite untergemischt. Ich halte tiefe Töpfe für sinnvoll, damit die nach unten wachsenden Wurzeln genug Platz haben.
Wie terrestrische Utricularien ist eine dauerhafte Anstaubewässerung wichtig. Die Pflanzen dürfen auf keinen Fall austrocknen. Eine gelegentliche Überschwemmung scheint nicht zu schaden. Für eine Kultur im Terrarium sind sie gut geeignet und auch an das Licht scheinen sie keine großen Ansprüche zu stellen, eine normale Beleuchtung des Terrariums reicht offenbar aus, damit die Pflanzen blühen. Bleiben die Pflanzen feucht, ist direkte Sonne im Sommer nach Gewöhnung ebenfalls problemlos.
Eine leicht erhöhte Luftfeuchte ist aufGrund ihrer tropischen Herkunft sicher angebracht, ergibt sich durch das Wasser um sie herum aber meist von selbst.
Bei einer Kultur im Terrarium sollte für ausreichend Luftaustausch gesorgt werden, da insbesondere die Blütenstiele leicht schimmeln oder faulen.
Als Einstieg in die Genlisea – Kultur eignet sich vor allem die robuste und schöne Kulturhybride G. violacea x lobata, welche man mittlerweile sogar ab und zu in den Baumärkten finden kann.
Eine andere Möglichkeit der Kultur von Genlisea ist, die „Wurzeln“ in reinem Wasser zu lassen. Entweder schneidet man dafür den Topf auf, stützt ihn mit dem Rand auf ein Glasbecken auf und lässt die „Wurzeln“ in freiem Wasser hängen oder man wartet, bis die Fangorgane durch den Topf hindurch wachsen und setzt den Topf dann auf ein Glas mit Wasser. So kann man zwar immer noch nicht den Fangvorgang sehen, aber immerhin die Fangorgane. Damit das Substrat nicht weggespült wird, ist es ratsam, an der Unterseite des Topfes ein Netz anzubringen, die Fangorgane brauchen natürlich Löcher, damit sie in das Wasser ragen können.
Die Vermehrung
Die einfachste Methode der Vermehrung sind von den Pflanzen gebildete Ausläufer oder Teilung größerer Pflanzen.
Fast genauso einfach sind Balttstecklinge. Hierfür bricht man ein Blatt mit etwas Blattbasis ab und steckt dieses leicht schräg mit der Blattbasis in Torf. Damit sich Pflanzen entwickeln, muss das ganze immer feucht bleiben und die Luftfeuchtigkeit erhöht werden.
Auch eine Vermehrung über Samen soll möglich sein, diesbezüglich habe ich noch keine Erfahrung.
Krankheiten / Schädlinge
Schädlinge hatte ich noch keine, Läuse werden wohl mit den handelsüblichen Mitteln bekämpft werden können. Bei einer zu hohen Luftfeuchte kombiniert mit wenig Luftbewegung schimmeln manchmal die Blütenstiele. Dann hilft nur noch abschneiden, bevor der Schimmel auf die ganze Pflanze übergreift.
Reusenfalle Kurzzusammenfassung:
Vorkommen: Tropen Afrikas, Madagaskars und Südamerikas, Mexiko und Kuba.
Temperatur Sommer: warm, über 20°C
Temperatur Winter: warm, über 20°C
Gießen Sommer: immer nass – sehr nass, Überflutung möglich
Gießen Winter: immer nass – sehr nass, Überflutung möglich
Lichtverhältnisse Sommer: hell, vollsonnig bei Gewöhnung kein Problem
Lichtverhältnisse Winter: hell
Substrat: Torf mit etwas Quarzsand
Vermehrung: über Teilen großer Pflanzen, Wurzelausläufer/Ableger, Blattstecklinge, Samen
Ruhezeit: keine
Anfängerpflanzen: G. violacea x lobata